Kübelpflanzen überwintern: Wer rein muss und wer draußen bleibt
Im Topf ist alles anders als im Beet. Ein Wurzelballen über der Erde ist von allen Seiten der Kälte ausgesetzt und friert komplett durch, während dieselbe Pflanze im Boden problemlos überlebt. Als Faustregel gilt: Eine Kübelpflanze ist etwa eine Winterhärtezone empfindlicher als ihr Pendant im Beet.
Drei Gruppen, drei Quartiere
Frostempfindliche Immergrüne wie Oleander, Olive, Zitrus, Engelstrompete und Zylinderputzer brauchen ein helles Quartier bei fünf bis zehn Grad. Ein ungeheiztes Treppenhaus, ein Wintergarten oder ein kalter Kellerraum mit Fenster passen. Das beheizte Wohnzimmer ist der schlechteste Ort überhaupt: Wärme treibt die Pflanze an, das schwache Winterlicht kann den Bedarf nicht decken, und es entstehen lange, blasse Triebe, die im Frühjahr wieder abgeschnitten werden.
Laubabwerfende Kübelpflanzen wie Fuchsie, Feige oder Granatapfel können dunkel bei zwei bis acht Grad stehen — die Garage oder der fensterlose Keller reichen, sobald das Laub gefallen ist. Winterharte Gehölze wie Buchs, Kirschlorbeer, Kiefer oder Bambus bleiben draußen; sie brauchen nur einen Topfschutz.
Der Topf ist die Schwachstelle
Wer draußen überwintert, packt den Topf ein, nicht die Pflanze: Noppenfolie, Jute oder Kokosmatte um das Gefäß, dazu eine Styroporplatte oder ein Holzbrett darunter, damit die Kälte nicht von unten in den Ballen zieht. Ein Platz an der Hauswand, windgeschützt und nicht in der Morgensonne, ist der beste Standort.
Immergrüne verdunsten über ihre Blätter auch im Winter Wasser. Ist der Ballen gefroren, kommt nichts nach — die Pflanze vertrocknet bei Frost, was oft fälschlich für Erfrieren gehalten wird. Deshalb an frostfreien Tagen gießen, sparsam und mittags. Untersetzer werden geleert: Stehendes Wasser, das gefriert, sprengt Wurzeln und Gefäß.
Rein, drin, raus
Eingeräumt wird nicht zu früh. Ein paar kühle Nächte um die fünf Grad bereiten die Pflanze auf die Ruhephase vor; wer im September ins Warme stellt, verhindert genau das. Vor dem Umzug wird kontrolliert: Schild- und Wollaus sowie Spinnmilben vermehren sich im Quartier explosionsartig, weil ihre Gegenspieler fehlen. Befallene Pflanzen werden vorher behandelt und nicht neben gesunde gestellt.
Während des Winters wird nicht gedüngt und nur so viel gegossen, dass der Ballen nicht völlig austrocknet — meist alle zwei bis vier Wochen. Ab März kommt die Pflanze schrittweise wieder ins Freie, zuerst an schattige Plätze: Nach Monaten im Halbdunkel verbrennen die Blätter in der vollen Frühjahrssonne innerhalb eines Tages. Dann ist auch der richtige Zeitpunkt für frische Erde und den Rückschnitt.
Sechs Punkte für die Überwinterung
- Kühl statt warm. Fünf bis zehn Grad im Hellen sind besser als jedes beheizte Zimmer.
- Nur Laubabwerfer dunkel stellen. Immergrüne brauchen auch im Winter Licht.
- Den Topf isolieren, nicht die Krone. Der Ballen friert, die winterharte Pflanze nicht.
- An frostfreien Tagen gießen. Immergrüne vertrocknen im Winter häufiger, als sie erfrieren.
- Vor dem Einräumen auf Schädlinge prüfen. Woll- und Schildlaus explodieren im Quartier.
- Im Frühjahr langsam gewöhnen. Volle Sonne nach dem Winterquartier verbrennt die Blätter.
