Hände halten dunklen Wurmhumus neben einer jungen grünen Pflanze
Nachhaltigkeit
8. September 20262 Min Lesezeit

Wurmkiste auf dem Balkon: Kompost ohne Garten

Kompostieren gilt als Sache für Leute mit Garten. Das stimmt nicht. Eine Wurmkiste braucht knapp einen halben Quadratmeter, riecht bei richtiger Pflege nach Waldboden und liefert das ganze Jahr über Wurmhumus — auch im vierten Stock.

Was in der Kiste passiert

In der Kiste arbeiten Kompostwürmer, meist Eisenia fetida. Sie fressen keine frischen Abfälle, sondern das, was Bakterien und Pilze davon schon vorverdaut haben. Deshalb passiert in den ersten zwei Wochen scheinbar nichts — und danach geht es zügig.

Ein Volk aus etwa 500 Gramm Würmern verarbeitet rund 250 Gramm Küchenabfälle am Tag. Das entspricht dem, was in einem Zweipersonenhaushalt anfällt. Am Ende bleibt Wurmhumus: krümelig, dunkel und deutlich nährstoffreicher als gewöhnlicher Kompost, weil er den Darm der Würmer passiert hat.

Der richtige Platz und das richtige Futter

Würmer mögen es zwischen 15 und 25 Grad. Auf einem Südbalkon in der prallen Julisonne überhitzt die Kiste, im Freien bei Dauerfrost erfriert das Volk. Ein schattiger Balkonwinkel funktioniert von Frühjahr bis Herbst, im Winter zieht die Kiste besser in den Keller oder in die Abstellkammer.

Hinein dürfen Gemüseschalen, Kaffeesatz samt Filter, Teebeutel ohne Klammer, zerkleinerte Eierschalen und ungebleichte Pappe. Draußen bleiben Fleisch, Fisch, Milchprodukte, gekochte Reste mit Salz und Öl sowie größere Mengen Zitrusschalen — die senken den pH-Wert zu stark ab.

Eine Wurmkiste stinkt nicht, wenn sie stimmt. Riecht sie sauer, ist zu viel Futter drin oder zu wenig Luft. Beides lässt sich in einer Woche korrigieren.

Wohin mit dem Ergebnis

Nach drei bis sechs Monaten ist die unterste Ebene fertig. Wurmhumus ist zu konzentriert, um allein als Pflanzerde zu dienen — er wird gemischt: eine Handvoll pro Liter Substrat reicht für Balkonkästen und Kübel. Der Wurmtee, der sich unten sammelt, wird im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt und ersetzt den Flüssigdünger.

Sechs Punkte für den Start

  • Klein anfangen. 250 bis 500 Gramm Würmer genügen, das Volk vermehrt sich selbst bis zur Kapazitätsgrenze.
  • Erst wenig füttern. In den ersten vier Wochen nur die Hälfte der späteren Menge, sonst gärt es.
  • Feucht wie ein ausgedrückter Schwamm. Tropft es beim Zusammendrücken, fehlt trockene Pappe.
  • Abfälle zerkleinern. Kleinere Stücke bieten mehr Angriffsfläche und werden doppelt so schnell verarbeitet.
  • Im Winter umziehen. Unter fünf Grad stellen die Würmer die Arbeit ein, unter null sterben sie.
  • Humus mischen, nicht pur verwenden. Eine Handvoll auf einen Liter Erde ist die richtige Dosis.
Hochbeeterde
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