Gelb blühendes Senffeld unter blauem Himmel als Gründüngung
Gartenpraxis
8. September 20263 Min Lesezeit

Gründüngung: Wie Senf, Phacelia und Klee den Boden aufbauen

Ein abgeerntetes Beet, das den Winter über nackt daliegt, verliert. Regen schlämmt die Oberfläche zu, Nährstoffe wandern in tiefere Schichten, und im Frühjahr steht dort eine harte Kruste. Gründüngung verhindert genau das — mit einer Handvoll Saatgut und null Aufwand danach.

Was die Pflanzen im Boden tun

Der sichtbare Teil ist das eine, entscheidend ist der unsichtbare. Ölrettich treibt Pfahlwurzeln bis zu einem Meter tief und sprengt Verdichtungen auf, an die kein Spaten reicht. Phacelia bildet ein feines Wurzelgeflecht, das die Krümelstruktur in der oberen Schicht stabilisiert. Wenn die Wurzeln verrotten, bleiben ihre Kanäle als Poren zurück — Wege für Wasser, Luft und die Wurzeln der nächsten Kultur.

Leguminosen können zusätzlich etwas, das keine andere Gruppe kann: Über Knollenbäkterien an ihren Wurzeln binden Klee, Lupine und Wicke Stickstoff aus der Luft und bringen ihn in den Boden ein. Eine gut entwickelte Kleeeinsaat hinterlässt zwischen 50 und 100 Kilogramm Stickstoff je Hektar — im Hausgarten heißt das: Das Folgegemüse braucht kaum Nachdüngung.

Die richtige Art für die richtige Lücke

Gelbsenf keimt schnell, wächst auch im September noch und erfriert bei Frost zuverlässig — ideal für die kurze Lücke vor dem Winter. Wichtig: Senf und Ölrettich sind Kreuzblütler wie Kohl, Radieschen und Rucola. Wo Kohl stand oder nächstes Jahr stehen soll, gehören sie nicht hin, sonst fördern sie die Kohlhernie.

Phacelia ist der Allrounder: Sie ist mit keiner Gemüseart verwandt, passt also in jede Fruchtfolge, blüht auffällig blau und ist eine der besten Bienenweiden überhaupt. Winterroggen ist die Wahl für schwere Böden und späte Saattermine bis in den Oktober, weil er als Einziger noch bei niedrigen Temperaturen keimt.

Gründüngung ersetzt das Umgraben. Was die Wurzeln über Monate lockern, schafft der Spaten in einer Stunde — nur zerstört er dabei die Struktur, die er herstellen soll.

Ausäen und wieder einarbeiten

Die Fläche wird flach gelockert, das Saatgut breitwürfig ausgestreut, leicht eingeharkt und angedrückt. Mehr braucht es nicht. Etwa zehn Gramm je Quadratmeter sind bei Senf und Phacelia die übliche Menge.

Vor der Samenreife wird geschnitten — sonst sät sich die Gründüngung selbst aus und wird zum Unkraut. Frostempfindliche Arten erledigen das von allein: Sie bleiben als Mulchdecke liegen, schützen den Boden bis März und werden dann nur oberflächlich eingearbeitet. Untergraben ist nicht nötig, die Bodenlebewesen holen sich das Material selbst.

Sechs Punkte zur Gründüngung

  • Fruchtfolge beachten. Senf und Ölrettich sind Kreuzblütler und gehören nicht vor oder nach Kohl.
  • Phacelia als Standard. Sie ist mit keinem Gemüse verwandt und passt deshalb überall.
  • Spät noch möglich. Winterroggen keimt bis in den Oktober, wenn für andere Arten die Zeit fehlt.
  • Vor der Samenreife schneiden. Sonst sät sich die Gründüngung im Beet selbst weiter aus.
  • Liegen lassen statt eingraben. Die abgefrorene Decke schützt den Boden bis zum Frühjahr.
  • Leguminosen für Starkzehrer. Klee und Wicke bringen den Stickstoff, den Tomate und Kohl danach brauchen.
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