Torf im Garten – warum sein Abbau ein Problem für das Klima ist
Torf ist im Garten unauffällig. Er speichert Wasser, ist frei von Unkrautsamen, immer gleich in der Qualität und billig. Genau deshalb steckt er seit Jahrzehnten in fast jedem Sack Blumenerde. Das Problem liegt nicht im Beet, sondern an dem Ort, an dem er gewonnen wird.
Moore als Kohlenstoffspeicher
In einem Moor fällt Pflanzenmaterial in Wasser und wird nicht zersetzt, weil dort kein Sauerstoff ankommt. Was oben wächst, bleibt unten liegen – Jahr für Jahr, Jahrtausend für Jahrtausend. Torf wächst dabei etwa einen Millimeter pro Jahr. Eine Schicht von einem Meter steht für rund tausend Jahre Moorgeschichte.
Dieser sehr langsame Prozess hat einen enormen Effekt: Moore bedecken nur etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche, speichern aber schätzungsweise doppelt so viel Kohlenstoff wie sämtliche Wälder der Erde zusammen. Pro Fläche ist ein intaktes Moor der wirksamste Kohlenstoffspeicher, den ein Landschaftstyp bieten kann.
Was beim Abbau passiert
Bevor Torf gestochen werden kann, muss das Moor entwässert werden. In diesem Moment kehrt sich alles um. Sauerstoff dringt in Schichten ein, die tausende Jahre luftdicht lagen, Mikroorganismen beginnen zu arbeiten, und der gespeicherte Kohlenstoff geht als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Das passiert nicht nur dort, wo abgebaut wird, sondern auf der gesamten entwässerten Fläche – und es hört nicht auf, wenn der Bagger weiterzieht.
In Deutschland sind die allermeisten Moore längst entwässert, größtenteils für die Landwirtschaft. Sie machen nur einen kleinen Teil der Landesfläche aus, verursachen aber einen zweistelligen Millionenbetrag an Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Jahr – rund sieben Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen aus wenigen Prozent der Fläche.
Dazu kommt, was sich nicht in Tonnen ausdrücken lässt: Sonnentau, Wollgras, Moorfrosch, Kranich und Hunderte weitere Arten leben ausschließlich in diesem Lebensraum. Ein Moor, das abgebaut wurde, lässt sich renaturieren – aber der Torf, der über Jahrtausende gewachsen ist, kommt in einem Menschenleben nicht zurück.
Nachhaltige Alternativen
Torf hatte im Substrat drei Aufgaben: Wasser speichern, Struktur geben und den pH-Wert niedrig halten. Jede davon lässt sich ersetzen. Kompost bringt Nährstoffe, Bodenleben und Speichervermögen. Holzfaser und Rindenhumus sorgen für Luft im Substrat. Kokosfaser speichert Wasser, hat aber einen langen Transportweg. Und für saure Kulturen übernimmt Rindenhumus die Rolle, die vorher der niedrige pH-Wert des Torfs gespielt hat.
Beim Einkauf lohnt der Blick auf das Kleingedruckte. „Torfreduziert“ bedeutet, dass immer noch Torf enthalten ist – teils mehr als die Hälfte. „Bio“ bezieht sich auf die Ausgangsstoffe und schließt Torf nicht aus. Nur „torffrei“ ist eine eindeutige Angabe.
In der Anwendung ändert sich wenig. Torffreie Substrate trocknen an der Oberfläche sichtbar schneller ab, halten darunter aber gut Wasser – wer mit dem Finger statt mit dem Auge prüft, gießt richtig. Und weil sie biologisch aktiver sind, zehren sie Nährstoffe schneller auf: Bei Dauerkulturen im Topf lohnt eine organische Nachdüngung ab der sechsten Woche.
Was du beim Umstieg wissen solltest
- Nur „torffrei“ ist verbindlich. „Torfreduziert“ und „Bio“ lassen Torf ausdrücklich zu.
- Torf wächst rund einen Millimeter pro Jahr. Was in einer Saison verbraucht wird, ist Jahrhunderte alt.
- Die Emissionen entstehen durch die Entwässerung, nicht durch den Transport. Regional abgebauter Torf ist keine Lösung.
- Mit dem Finger gießen, nicht mit dem Auge – torffreie Erde sieht trockener aus, als sie ist.
- Bei Dauerkulturen im Topf ab der sechsten Woche organisch nachdüngen.
- Für saure Kulturen Rindenhumus statt Torf. Kompost ist dort die falsche Wahl.
