Person schaufelt reife Komposterde im Garten
Gartenpraxis
5. September 20263 Min Lesezeit

Komposterde richtig anwenden: Wann, wie viel und für welche Pflanzen?

Beim Kompost wird selten zu wenig gegeben, meistens zu viel. Er sieht harmlos aus, riecht gut und fühlt sich richtig an – also landet gern der halbe Sack auf zwei Quadratmetern. Der Boden nimmt aber nur auf, was er im selben Jahr auch umsetzen kann. Alles darüber hinaus wandert als Nitrat nach unten oder bleibt als Salz liegen.

Dosierung: die Mengen, die wirklich passen

Als Jahresgabe im Gemüsebeet gelten drei bis fünf Liter reife Komposterde je Quadratmeter. Das entspricht einer Schicht von etwa drei bis fünf Millimetern – weniger, als die meisten erwarten. Für Starkzehrer wie Tomate, Kohl oder Kürbis darfst du das obere Ende nehmen, für Zwiebeln, Kräuter und Wurzelgemüse das untere oder gar nichts.

Der beste Zeitpunkt ist das zeitige Frühjahr, zwei bis vier Wochen vor der Pflanzung. Dann hat das Bodenleben Zeit, die Gabe zu erschließen, bevor die ersten Wurzeln daran wollen. Eine zweite, kleinere Gabe im Hochsommer trägt Starkzehrer durch die zweite Hälfte der Saison.

Bei Ziergehölzen und Stauden genügt eine Gabe alle zwei bis drei Jahre. Rasen bekommt zwei bis drei Liter je Quadratmeter, fein verteilt und eingeharkt. Und immer gilt: flach einarbeiten, in die oberen fünf bis zehn Zentimeter. Tief untergegrabener Kompost liegt dort, wo kein Sauerstoff ist – und ohne Sauerstoff passiert nichts.

Im Beet, im Kübel und im Hochbeet

Im Beet wird die Komposterde gleichmäßig ausgebracht und mit dem Rechen oder dem Sauzahn flach eingearbeitet. Wer ein Beet neu anlegt, kann einmalig mehr geben – bis zu zehn Liter je Quadratmeter –, danach wird auf die normale Jahresgabe zurückgegangen.

Im Kübel ist Komposterde nie das ganze Substrat. Der begrenzte Wurzelraum kann die Nährstoffe nicht ausweichen lassen, und der Salzgehalt steigt mit jedem Gießgang. Ein Drittel Komposterde auf zwei Drittel torffreie Pflanzerde ist die verlässliche Mischung; bei empfindlichen Kulturen ein Fünftel.

Im Hochbeet ist Komposterde die oberste Schicht – rund dreissig Zentimeter über dem grober aufgebauten Unterbau. Weil die Füllung jedes Jahr um zehn bis zwanzig Zentimeter sackt, wird im Frühjahr nachgefüllt. Genau das ist der Moment, in dem frische Komposterde hineingehört.

Kompost ist kein Dünger, den man nach Bedarf nachschüttet. Er ist eine jährliche Grundlage, und wie bei jeder Grundlage zählt die Regelmäßigkeit mehr als die Menge.

Häufige Fragen

Zwei Dinge tauchen immer wieder auf. Erstens: Kann man zu viel geben? Ja – an überdüngten Stellen wachsen Tomaten in die Blätter statt in die Früchte, und Salat sammelt Nitrat. Zweitens: Ersetzt Kompost den Dünger vollständig? Bei Schwach- und Mittelzehrern ja. Starkzehrer im Kübel brauchen zusätzlich eine organische Flüssigdüngung, weil im begrenzten Volumen nichts nachgeliefert wird.

Kurz beantwortet

  • Wann ist Kompost reif? Wenn er nach Waldboden riecht, kühl ist und keine Ausgangsstoffe mehr erkennbar sind.
  • Direkt ins Pflanzloch? Eine Handvoll ja, mehr nicht – die Wurzeln sollen ins umgebende Erdreich wachsen.
  • Auch im Herbst? Möglich, aber nur unter einer Gründüngung oder Mulchdecke, sonst wird der Stickstoff ausgewaschen.
  • Für Aussaaten geeignet? Nein. Anzuchterde muss nährstoffarm sein, Kompost ist dafür zu gehaltvoll.
  • Was tun bei Moorbeetpflanzen? Weglassen. Rhododendron und Heidelbeere brauchen saures Substrat, kein Kompost.
  • Wie lange hält ein geöffneter Sack? Trocken und schattig gelagert eine Saison. Nass gelagert kippt er ins Anaerobe.
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