Laub im Herbst: Rohstoff statt Abfall
Im Wald räumt niemand das Laub weg, und genau dort entsteht der beste Boden Mitteleuropas. Was im Garten als Arbeit erscheint, ist ein Rohstoff: Ein mittelgroßer Laubbaum wirft im Herbst Material ab, aus dem über den Winter mehrere Hundert Liter Humus werden.
Nicht jedes Blatt verrottet gleich schnell
Obstbaum-, Linden-, Ahorn- und Haselblätter sind dünn und stickstoffreich. Sie sind bis zum Frühjahr weitgehend zersetzt. Eiche, Walnuss, Kastanie und Platane enthalten viel Gerbsäure und harte Blattrippen — sie brauchen zwei Jahre und säuern den Boden an.
Für die langsamen Sorten hilft Zerkleinern. Einmal mit dem Rasenmäher darüber, und die Zersetzung läuft doppelt so schnell, weil die Bodenlebewesen an mehr Fläche kommen. Eine Handvoll Hornspäne oder reifer Kompost je Schubkarre gleicht das Stickstoffdefizit aus.
Drei sinnvolle Verwendungen
Als Mulch kommt Laub fünf bis zehn Zentimeter dick auf abgeerntete Beete, unter Sträucher und in die Staudenrabatte. Es schützt den Boden vor Verschlämmung durch Winterregen, hält die Temperatur stabil und ist im Frühjahr größtenteils eingezogen. Auf Rasen und auf immergrüne Bodendecker gehört es nicht — dort erstickt es das Grün.
Als Laubkompost wandert es in einen einfachen Drahtkorb, leicht angefeuchtet und mit etwas Erde durchsetzt. Nach einem Jahr ist daraus Laubmulch, nach zwei Jahren feine, dunkle Lauberde, die sich hervorragend als Zuschlag für Aussaaterde eignet. Und ein Rest bleibt als Haufen in einer stillen Ecke liegen: Igel, Kröten und Laufkäfer überwintern darin.
Wo Laub tatsächlich weg muss
Zwei Ausnahmen gibt es. Laub von Bäumen mit Pilzbefall — etwa Sternrußtau an Rosen, Schorf am Apfel oder Kirschblattbräune — verbreitet die Sporen weiter und gehört nicht auf den eigenen Kompost. Und auf Wegen, Treppen und Terrassen wird nasses Laub schnell rutschig, dort ist Zusammenkehren keine Frage der Ökologie, sondern der Verkehrssicherheit.
Sechs Punkte für den Umgang mit Herbstlaub
- Beete mulchen. Fünf bis zehn Zentimeter Laub schützen den Boden über den ganzen Winter.
- Gerbsäurereiches Laub zerkleinern. Eiche und Walnuss brauchen sonst zwei Jahre statt einem.
- Rasen freihalten. Unter einer geschlossenen Laubdecke vergilbt das Gras binnen weniger Wochen.
- Einen Haufen liegen lassen. Igel und Laufkäfer brauchen genau dieses Winterquartier.
- Krankes Laub aussortieren. Schorf und Sternrußtau überdauern im Kompost und kommen zurück.
- Lauberde ansetzen. Nach zwei Jahren im Drahtkorb ist daraus ein feiner Zuschlag für Aussaaterde.
