Die wichtigsten Gartenbegriffe einfach erklärt
Gartenanleitungen setzen viel voraus. Wer zum ersten Mal liest, er solle Starkzehrer nach dem Pikieren abhärten und die Geiztriebe entfernen, ist erst einmal raus. Hier stehen die Begriffe, die immer wieder vorkommen – in normaler Sprache.
Sortiert ist das Ganze nach Themen: Boden, Aussaat, Pflanzen, Wasser, Nährstoffe, Erde und Werkzeug. Wer eine Anleitung vor sich hat und an einem Wort hängen bleibt, springt am besten direkt in den passenden Abschnitt. Am Ende stehen die zehn Begriffe, die in fast jedem Gartentext auftauchen, noch einmal in je einem Satz.
Rund um den Boden
Humus ist organische Substanz im Boden in stabiler Form – sie speichert Wasser und Nährstoffe. Krume nennt man die obere, dunkle, durchwurzelte Bodenschicht. Krümelgefüge beschreibt kleine, stabile Erdkrümel mit Hohlräumen dazwischen – das Kennzeichen eines gesunden Bodens.
Staunässe ist Wasser, das nicht abziehen kann und Wurzeln ersticken lässt. Mulchen heißt, den Boden mit organischem Material zu bedecken. Gründüngung sind Pflanzen, die nur zur Bodenverbesserung gesät und nicht geerntet werden. Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch der Boden ist – er entscheidet, welche Nährstoffe verfügbar sind.
Die Bodenart beschreibt, aus welchen Korngrößen ein Boden besteht: Sand ist durchlässig und erwärmt sich schnell, Ton hält Wasser und Nährstoffe fest, ist dafür schwer. Die Fingerprobe verrät die Richtung – eine feuchte Handvoll zu einer Rolle formen: Was zusammenhält, enthält viel Ton, was zerfällt, viel Sand. Verdichtung entsteht, wenn ein Boden bei Nässe betreten oder befahren wird und seine Poren verliert. Bodenmüdigkeit heißt der Ertragsrückgang, wenn dieselbe Kultur zu viele Jahre auf derselben Fläche steht. Und Bodenschluss ist der enge Kontakt zwischen Wurzelballen und Erde, den Andrücken und Angießen herstellen – ohne ihn vertrocknet die Wurzel im Hohlraum.
Rund um Aussaat und Anzucht
Direktsaat heißt, dass die Samen ohne Umweg ins Beet kommen. Vorziehen ist das Gegenteil: Anzucht im Warmen, um der Saison ein paar Wochen abzugewinnen. Die Keimtemperatur ist die Bodenwärme, ab der ein Samen überhaupt loslegt – bei Tomate und Paprika liegt sie deutlich höher als bei Salat oder Radieschen. Für die Saattiefe gilt die Faustregel: etwa doppelt so tief, wie das Korn dick ist.
Neben den Lichtkeimern gibt es Dunkelkeimer, die bedeckt werden müssen, und Kaltkeimer, die erst nach einer Kältephase aufgehen. Die Keimfähigkeit gibt an, welcher Anteil einer Saatgutpartie tatsächlich aufläuft – sie sinkt mit den Jahren, weshalb altes Saatgut dichter gesät wird. Samenfest sind Sorten, deren Nachkommen der Mutterpflanze gleichen; von ihnen lässt sich Saatgut gewinnen. Eine F1-Hybride ist die Kreuzung zweier Elternlinien: einheitlich und ertragreich, aber der Nachbau bringt keine gleichwertigen Pflanzen mehr.
Rund um die Pflanzen
Zehrerstufen beschreiben den Nährstoffbedarf: Starkzehrer wie Kohl und Tomate brauchen viel, Mittelzehrer wie Karotte mittel, Schwachzehrer wie Erbse und Zwiebel wenig. Fruchtfolge ist der jahrweise Wechsel der Kulturen auf einer Fläche, Mischkultur das Nebeneinander gut verträglicher Arten im selben Beet.
Pikieren heißt, Sämlinge nach dem ersten echten Blattpaar zu vereinzeln. Abhärten ist die schrittweise Gewöhnung vorgezogener Pflanzen ans Freiland. Geizen bezeichnet das Entfernen der Seitentriebe in den Blattachseln bei Tomaten. Anhäufeln ist das Anhäufen von Erde um den Stiel, vor allem bei Kartoffeln. Lichtkeimer sind Samen, die zum Keimen Licht brauchen und deshalb nicht bedeckt werden.
Zwei Wörter beschreiben, was schiefgeht: Schossen nennt man den vorzeitigen Übergang in die Blüte – Salat wird bitter, Radieschen holzig. Vergeilen heißt das Ergebnis von zu wenig Licht: lange, blasse, instabile Triebe. Bei der Planung tauchen außerdem Vorkultur und Nachkultur auf, also das, was vor und nach der Hauptkultur auf der Fläche steht, und die Standzeit – wie lange eine Kultur das Beet überhaupt belegt. Selbstbestäuber schließlich sind Arten, die ohne fremde Pollen auskommen, Tomaten und Bohnen zum Beispiel.
Rund um Wasser, Wärme und Wetter
Die Eisheiligen Mitte Mai sind die bekannteste Faustregel für den letzten Spätfrost – regional aber sehr unterschiedlich zuverlässig. Bodenfrost meint Frost knapp über dem Boden, auch wenn das Thermometer in zwei Metern Höhe darüber liegt; genau dort stehen die frisch gesetzten Jungpflanzen. Ein Vlies ist ein dünnes Gewebe, das Wärme hält und leichten Frost abfängt, ein Frühbeet ein flacher, abgedeckter Kasten, der die Saison vorne verlängert.
Beim Wasser lohnt eine Unterscheidung: Gießen sind kleine, häufige Gaben, Wässern ist das seltene, durchdringende Durchfeuchten des Wurzelraums. Das zweite erzieht tiefere Wurzeln. Regenwasser ist weich und kalkfrei und deshalb Leitungswasser fast immer vorzuziehen.
Rund um Nährstoffe und Dünger
NPK steht für die drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium – die Zahlen auf jeder Düngerpackung geben deren Anteile an. Organische Dünger müssen erst von Bodenlebewesen aufgeschlossen werden und wirken deshalb langsam, aber lange; mineralische liegen sofort pflanzenverfügbar vor und sind ebenso schnell wieder ausgewaschen. Ein Langzeitdünger gibt seine Nährstoffe über Wochen ab, Nachdüngen ist die zweite Gabe, wenn dieser Vorrat aufgebraucht ist.
Hornspäne sind zerkleinerte Hufe und Hörner, also ein Stickstoffdünger tierischer Herkunft – im veganen Garten übernehmen pflanzliche Alternativen ihre Aufgabe. Jauche ist ein vergorener Pflanzenauszug, meist aus Brennnesseln, sehr stickstoffreich und nur stark verdünnt zu verwenden. Und Chlorose beschreibt ein Schadbild: Die Blätter hellen auf, während die Adern grün bleiben – meist ein Zeichen für Eisenmangel, oft ausgelöst durch einen zu hohen pH-Wert.
Rund um Erde und Werkzeug
Substrat ist der Sammelbegriff für alles, worin Pflanzen wurzeln – im Topf ist es die Pflanzerde. Torffrei bedeutet ohne jeden Torfanteil, torfreduziert nur weniger als früher. Komposterde ist ein Bodenverbesserer und Dünger, Blumenerde ein Kultursubstrat für Gefäße – die beiden sind nicht austauschbar. Anzuchterde ist bewusst nährstoffarm, damit die jungen Wurzeln suchen müssen und kräftig werden.
Bei den Werkzeugen: Die Grabegabel hat gerade Zinken und lockert, ohne die Bodenschichten zu wenden – sie ist dem Spaten in fast allen Lagen vorzuziehen. Der Sauzahn ritzt den Boden auf, ohne ihn umzudrehen. Pikierstäbchen, Handhacke und ein Bodenthermometer vervollständigen die Grundausstattung.
Begriffe, die gern verwechselt werden
Kompost ist das Ausgangsmaterial, Komposterde eine daraus gemischte, gesiebte und auf eine Verwendung abgestimmte Erde. Umgraben wendet die Bodenschichten und bringt das Bodenleben durcheinander, Lockern öffnet den Boden, ohne ihn zu drehen. Ein Dünger liefert Nährstoffe, ein Bodenverbesserer verändert die Struktur – Kompost kann beides, nur unterschiedlich stark. Und bio sagt etwas über Rohstoffe und Zulassung aus, torffrei ausschließlich etwas über den fehlenden Torf. Das eine schließt das andere nicht ein.
Die zehn wichtigsten in einem Satz
- Humus: stabile organische Substanz im Boden, speichert Wasser und Nährstoffe.
- Zehrerstufen: wie viel Nährstoff eine Kultur braucht – stark, mittel oder schwach.
- Fruchtfolge: der jahrweise Wechsel der Kulturen auf derselben Fläche.
- Pikieren: Sämlinge vereinzeln, sobald das erste echte Blattpaar da ist.
- Abhärten: vorgezogene Pflanzen über ein bis zwei Wochen ans Freiland gewöhnen.
- Torffrei heißt ohne Torf. Torfreduziert heißt: weniger Torf, aber Torf.
- Mulchen: den Boden bedecken, damit er feucht, kühl und lebendig bleibt.
- Staunässe: Wasser, das nicht abzieht – die häufigste Ursache für tote Wurzeln.
- NPK: Stickstoff, Phosphor, Kalium – die drei Zahlen auf jeder Düngerpackung.
- Samenfest: Sorten, von denen sich Saatgut gewinnen lässt. F1-Hybriden nicht.
