Die Bedeutung des pH-Werts im Gartenboden
Der pH-Wert ist der unauffälligste und zugleich folgenreichste Wert im Gartenboden. Er sagt nichts darüber, wie viele Nährstoffe vorhanden sind – aber alles darüber, ob die Wurzeln sie überhaupt aufnehmen können. Viele vermeintliche Mängel sind in Wahrheit Verfügbarkeitsprobleme.
Warum der Wert über die Ernährung entscheidet
Jeder Nährstoff hat einen pH-Bereich, in dem er für Pflanzen löslich ist. Phosphor wird unter 5,5 an Eisen und Aluminium gebunden und über 7,5 an Kalzium – in beiden Fällen ist er im Boden vorhanden, aber unerreichbar. Eisen und Mangan werden im alkalischen Bereich festgelegt, was die typische Chlorose mit hellen Blättern und grünen Blattadern auslöst.
Der beste Kompromiss für Gemüse liegt zwischen 6 und 7. Dort ist die größte Zahl an Nährstoffen gleichzeitig verfügbar, und auch das Bodenleben arbeitet in diesem Bereich am besten. Wer düngt, ohne den pH-Wert zu kennen, kann den Mangel dauerhaft nicht beheben.
Messen und einordnen
Teststreifen aus dem Gartenmarkt reichen für eine Einschätzung völlig. Wichtig ist, an mehreren Stellen zu messen und die Proben aus zehn bis zwanzig Zentimetern Tiefe zu nehmen, nicht von der Oberfläche. Der Wert schwankt im Garten teils erheblich – unter Nadelbäumen saurer, an gemauerten Wänden alkalischer.
Auch ohne Messgerät liefert der Bewuchs Hinweise. Ackerschachtelhalm, Sauerampfer und Hundskamille deuten auf sauren Boden, Wilde Möhre und Ackerwinde eher auf kalkhaltigen. Als Einzelbeleg taugt das nicht, als Bestätigung einer Messung schon.
Korrigieren – vorsichtig
Zu saurer Boden wird mit kohlensaurem Kalk angehoben, im Herbst oder zeitigen Frühjahr und in kleinen Schritten. Auf leichten Sandböden wirkt die gleiche Menge deutlich stärker als auf Ton – dort lieber weniger und dafür öfter. Kalk und organischer Dünger gehören nie gleichzeitig ins Beet, dazwischen sollten einige Wochen liegen.
Zu alkalischen Boden abzusenken ist deutlich schwieriger und dauerhaft kaum möglich. Praktikabler ist es, mit dem Standort zu arbeiten: Moorbeetpflanzen bekommen ein eigenes Beet mit Rindenhumus, alle anderen Kulturen kommen mit leicht alkalischem Boden gut zurecht. Regelmäßige Kompostgaben puffern den Wert ohnehin in Richtung Mitte.
Zielwerte und Regeln
- Gemüsebeet: pH 6 bis 7. Dort sind die meisten Nährstoffe gleichzeitig verfügbar.
- Rhododendron, Heidelbeere, Hortensie: pH 4,5 bis 5,5 – eigenes Beet, kein Kompost.
- Proben aus zehn bis zwanzig Zentimetern Tiefe nehmen, nicht von der Oberfläche.
- An mehreren Stellen messen – im Garten schwankt der Wert stark.
- Kalk in kleinen Schritten und nie gleichzeitig mit organischem Dünger ausbringen.
- Helle Blätter mit grünen Adern deuten auf Eisenmangel durch zu hohen pH-Wert.
